Pfarreiengemeinschaft

Christkönig Saal • St. Oswald Teuerting

Stilles Wachstum im Reich Gottes

Im Reich Gottes wirken staunenswerte Wachstumsprozesse. Da keimt und wächst ein Samen – und der Mann, der ihn ausgesät hat, „weiß nicht wie“ (vgl. Mk 4,26-29). Immer wieder nehme ich solch stilles und unauffälliges, aber kraftvolles und nachhaltiges Wachstum wahr. So erst vor wenigen Wochen.

Wir hatten im Exerzitienhaus Leitershofen zu einem Treffer der Vertreter kontemplativer Gebetsgruppen eingeladen. Kontemplatives Beten meint eine Gebetszeit von meist einer halbe Stunde in Schweigen und innerer Ausrichtung auf Gott hin. Wir staunen darüber, wie viele solcher Gebetsgruppen in den letzten Jahren in unserem Bistum entstanden sind, ohne dass dies besondere Beachtung oder gar Förderung gefunden hätte. Aber vielen Menschen, die unter der Informations- und Reizüberflutung unserer Tage leiden, ist es offensichtlich hilfreich und kostbar, sich in einer täglichen stillen Zeit zu sammeln und bewusst in Gott zu verankern.

Manchen nennen dieses kontemplative Gebet auch das Herzensgebet, andere sprechen vom Jesus-Gebet oder vom Atemgebet. Schon die Mönchsväter des dritten und vierten Jahrhunderts mühten sich im die „Hesychia“, eine Haltung, die wir im Deutschen am besten mit den Worten „Im Frieden sein“, „In der Ruhe bleiben“ übersetzen. Sagt doch Jesus in seiner Bergpredigt mit Verweis auf die Vögel des Himmels und die Blumen auf dem Feld: „Sorgt euch nicht… Euch muss es zuerst um Gottes Reich und seine Gerechtigkeit gehen, dann wird euch alles andere dazugegeben“ (Mt 6,25.33). Was aber ist der Reich Gottes? Es ist der „Reichtum Gottes“, der „Bereich Gottes“: dass er Raum findet in meinem Inneren und in dieser unserer Welt.

Es bedarf der Übung, um den inneren Bereich eines Menschen für Gott zu weiten, das wussten die Mönchsväter und das wussten die Gottsucher aller Jahrhunderte. Einem Mantra gleich wiederholen sie kurze Psalmverse oder Stoßgebete aus den Evangelien, zum Beispiel das Wort des demütigen Zöllners im Tempel: „Gott, sei mir Sünder gnädig“ (Lk 18,9-14). Am meisten Verbreitung aber fand die Bitte des blinden Bartimäus: „Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner!“ (Lk 18,38).

Schon im siebten und achten Jahrhundert besann man sich im sogenannten Dornbusch-Kloster am Sinai auf die Offenbarung Gottes in seinem Namen JHWH und erkannte im Namen Jesu die Verdichtung dieser Selbstoffenbarung Gottes. Man war überzeugt: Wer diesen Namen im seinem Herzen bewegt und bewahrt, wird dadurch gereinigt, geheilt, inspiriert.

Das Herzensgebet müht sich um die stete Wiederholung des Namens Jesu. Schon im frühen Mittelalter wurde auf dem Berg Athos eine bestimmte Technik gelehrt, die helfen will, den Namen Jesu mehr und mehr zu verinnerlichen. Dort und in vielen weiteren „Schulen des Gebets“, die im Laufe der Jahrhunderte zu finden sind, hat es sich als hilfreich erwiesen, auf den eigenen Körper zu achten, vor allem auf den Atem. Der Name Jesu, „die Verdichtung der Selbstoffenbarung Gottes“, wird in den Atem mit aufgenommen und damit in das eigene Innere.

Manche beten heute atmend die Worte des Bartimäus (beim Einatmen: „Herr Jesus Christus, Sohn Gottes“, beim Ausatmen: „erbarme dich meiner“), andere beten noch schlichter „Jesus – Christus“. Manche verbinden mit der Anrufung eine Bitte oder einen Dank – stets aber im Rhythmus des Atmens. In unserem Exerzitienhaus finden übrigens auch Kurse zur Einführung in das kontemplative Gebet statt.

Wer das kontemplative Gebet pflegt, macht meist die Erfahrung, dass sich durch die bewussten Gebetszeiten eine grundsätzliche Veränderung im Leben ereignet. Denn mehr und mehr ändert das Bemühen um einen ruhigen Atem und die bewusste Ausrichtung auf Gott die Grundhaltung eines Menschen. Er wird oft ruhiger, zuversichtlicher und aufmerksamer. Und das geschieht ganz unauffällig – eben so, wie es in den Wachstumsprozessen im Reich Gottes entspricht: „Der Samen keimt und wächst und der Mann, der ihn gesät hat, weiß nicht, wie.“

Von Christian Hartl aus der Sonntagszeitung

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